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Salamitaktiker

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Salamitaktik – das kennt Mensch spätestens seit der Guttenberg-Affäre oder auch vom ehemaligen Bundespräsi Wulff. Ganz aktuell hat sich der Wurst-Uli mit in die Riege gestellt. 

Taktik: Nur das auch wirklich zugeben, was man nicht verleugnen kann bzw. was einem definitiv nachzuweisen ist. Alles andere entweder verleugnen, verharmlosen und womöglich noch andere für das eigene Fehlverhalten verantwortlich machen. 

Diese Woche kamen Ereignisse aus Würzburg dazu, die mich jetzt im Nachhinein genauso an die Salamitaktik erinnern. Da haben doch glatt ein paar verblendete, unsichere und unselbständige junge Kandidaten im heimischen Priesterseminar gemeint, sie müssten sich dadurch produzieren, dass sie rechtsradikales Gedankengut verbreitet haben, antisemitische Witze erzählt haben und bezeichnenderweise eine Feier an einem dementsprechend bekannten Datum abhielten. 

Nun kann man, wie beispielsweise mir heute auf FB passiert, versuchen, sich in eine Diskussion darüber einzuklinken, was – ehrlich gesagt – total in die Hose gegangen ist. Liegt wohl daran, dass man entweder mit den selbsternannten Hütern der „freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ nicht diskutieren kann, weil sie sich großspurig auf „unschuldig, bis Schuld bewiesen ist“ verlegen oder weil jegliche Kritik an rechtsradikalen Äusserungen bei gewissen Menschen einfach dazu führt, dass sie aus dem Häuschen geraten.

Ein Schelm, wer hier Böses denkt.

Und natürlich machen die Verantwortlichen auch ganz verantwortlich ihren Job, berufen eine Kommission ein, die objektiv die Geschehnisse nachverfolgen soll, etc. So weit, so schwammig. 

Warum denn nicht mal wahrhaftig Nachfolge Christi praktizieren? Warum denn nicht mal für das einstehen, wofür das Christentum steht? Warum denn nicht mal konsequent sein, es egal sein lassen, dass dann halt anstatt 18 nur 14 Kandidaten im Seminar sind und die Möchtegern-Nazis einfach suspendieren, bevor man sie auf die (Christen-) Menschheit loslässt? 

Statt dessen wird vorgeschlagen, eine Selbstverpflichtungserklärung (ja, genau, ähnlich sinnfrei wird das auch werden) mit den Studierenden zu entwerfen und zu unterzeichnen. Klaro, das ist so dermassen verpflichtend und sinnvoll, ich bin erstaunt, dass da vorher noch keiner draufgekommen ist. Ja, eben, weils nix bringt!! Hallo, Leute, ich bitte euch, wer hat noch nicht im Interweb angeklickt, dass er/sie die AGBs durchgelesen und akzeptiert hat, nur um weiter zu kommen?? 

Und was die externe Kommission angeht, also ehrlich, da hat die KK doch auch schon bei den Missbrauchsfällen sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Klärt das einfach intern, schmeisst die Betreffenden raus, bevor sie noch mehr Schaden anrichten, und gut ist. 

Da kommen wir nämlich auch wieder darauf zurück, was mit Salamitaktik gemeint war. Wenn ich Mist gebaut habe, dann muss ich – Verdammt nochmal – dafür einstehen, dafür Verantwortung übernehmen. Richtig, ich muss darauf Antworten können, mich dafür rechtfertigen können und eben nicht mit dem weissen Unschulds-Fähnchen wedeln, bis mir unwiederlegbar ein Fehlverhalten nachgewiesen wird. 

Also Jungs und Mädels, wenn ihr mir einen rational nachvollziehbaren Grund für antisemitische Witzchen und Feiern an Führers Geburtstag liefern könnt, dann fühlt euch frei, ich versteh euch. Aber ehrlich, junge Menschen, die weit nach der Nazi-Zeit geboren wurden, und meinen, sich mit diesen Witzchen und Anschuldigungen in irgendeiner Weise zu profilieren, wirken nur und wirklich nur lächerlich. Wer sich auf Kosten anderer selbst produzieren muss, darf ehrlich gesagt in gar keinem Job arbeiten, und schon gleich gar nicht in nem Job in dem man tagtäglich über die Nächstenliebe zu predigen hat, geschweige denn, dass es durchaus von Vorteil wäre, dies auch genauso zu empfinden. 

Ich bin als Theologin ohnehin schon immer mit den klischeemässigen Vorstellungen und Bildern konfrontiert, dass die KK sich bezüglich Missbrauchsskandal, Hexenverbrennung und Kreuzzügen immer irgendwie herausgewunden hat und nie zu ihren Verfehlungen stehen konnte. Und BÄM, gleich der nächste Skandal, als obs geplant wär. 

Und dass sich die Verantwortlichen in der Leitungsebene auch eher zurückhaltend bis beschwichtigend verhalten, macht auch kein allzugutes Bild nach aussen. 

Egal, mir auch insofern, als dass ich erwarte, dass das ganze im Sande verläuft, was der schlechteste Fall wäre, aber insgeheim hoffe, dass endlich mal Klartext und Konsequenz gezeigt wird. Mut, so zu sein, wie man ist, ehrlich zu seinen Wurzeln zu stehen, Toleranz und Verständnis gegenüber allen Andersgläubigen zeigen. Und – vor allem – endlich einmal die Eignung eines Kandidaten berechtigterweise anzweifeln und dann die Weihe entweder in Frage zu stellen oder zu verweigern. 

Das meine ich mit Verantwortung und Einstehen für das, was man falsch gemacht hat. Nicht warten, bis einem die Fehler nachgewiesen werden können, sondern vernünftig genug zu sein, dass man weiss, wann was falsch war und dann dementsprechend zu handeln. Aber leider nur viel zu häufig wird Wasser gepredigt und Wein getrunken. 

 

 

 

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Über terebinthe

Theologin, Stephen-King-Leserin, Fashionaddict, Nagellack, Brille

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