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Schokolade und Rotwein

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Hallo ihr Lieben,

ihr kennt doch sicher alle die Szene in Harry Potter, in der Remus Lupin den Schülern beibringt, wie man am besten einen Boggart bekämpfen kann? Diese Kreatur nimmt die Gestalt dessen an, das der Bekämpfende am meisten fürchtet. Nun ja, für Ron hat er die Gestalt einer Spinne, für Neville ist es seine Großmutter, für Harry ist es Voldemort und für Lupin ist es der Mond. Und was wäre es, wenn ich ihm gegenüber stünde? Wohl am ehesten ein Spiegel, in dem ich mich selbst sehe(n müsste). Das ist es, womit ich im Moment und schon seit einiger Zeit kämpfen muss: ich selbst, beziehungsweise eine böse Version von mir, mein böser Zwilling. 

Eine Kreatur, die ich in langen Jahren selbst erschaffen habe, die mir keine Ruhe lässt und alles in meinem Leben, jeden Schritt, jede Handlung und jedes Verhalten kontrolliert, relativiert und in Frage stellt. Durch die psychoanalytische Behandlung bin ich inzwischen zu der Erkenntnis gelangt, dass ich mir im Grunde genommen selbst das Leben schwer mache, durch den Einfluss eben dieses bösen Zwillings. Aber macht es das leichter? Erträglicher? Möglicherweise sogar änderbar? Nein, ganz und gar nicht. Wenn wirklich alles, jeder Schritt, jeder Gedanke, jedes Gefühl, jedes Verhalten gnadenlos unter die Lupe genommen wird, und vor allen Dingen verurteilt wird. Keine Entscheidung wirklich richtig sein kann, weil alles aus dem Blickwinkel des Zwillings gesehen wird, kein „Ich“ vorhanden ist. 

Dass alles, was ich tue oder eben auch nicht, einzig und allein aus meinem Wunsch nach Wertschätzung und Anerkennung heraus geschieht, und ich teilweise so dermassen beeinflusst zu sein scheine, was mein „Außen“ von mir denkt, dass es nichts gibt, was von mir selbst kommt. Und auch innerhalb der Analyse die Lage wie festgefahren erscheint, wo ich mir wünsche, kluge Ratschläge zu erhalten und nicht einfach nur die Feststellung der momentanen Lage. Wo meine Ungeduld, mein offensichtlicher Pragmatismus nach einer einfachen, technisch machbaren Lösung verlangt und sich nicht mit einer Annahme und Akzeptanz der Situation zufriedenstellen lässt. 

Und das tut gerade auch weh, dass ich kleine Schritte nicht wertschätzen kann, dass ich diesen Fortschritt gemacht habe, weiter mache, trotz der offensichtlichen Rückschläge und Verzweiflungen eben nicht aufgebe. Noch nicht mal meinen Glauben verliere, sondern in dieser Ratlosigkeit dennoch versuche zu beten, den Herrn um Stärke bitte, meine Hilflosigkeit an ihn herantrage. 

Aber vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass gerade dann, wenn ich mich am einsamsten und verlassensten fühle, Gott mir immer noch nahe ist, mein Blick einfach nur verstellt ist und ich das nicht gleich spüren kann. Ich hoffe immer noch, dass ich es eines Tages spüren und erkennen kann. 

Das bringt mich wieder auf Harry Potter, soweit ich weiss, hatte J.K.Rowling mal gesagt, die Dementoren, die über Azkaban wachen, seien ihre Metapher für Depression gewesen. Und ich merke inzwischen, wie recht sie damit hatte. Wesen, die sich von den positiven Gefühlen anderer nähren, keinen freudigen Gedanken zulassen, das ist wirklich so, und leider kommen diese Dementoren in meinem Fall aus mir selbst heraus. Als wenn der böse Zwilling sich eine schwarze Kapuze aufsetzt und jedes gute Gefühl aus mir heraussaugt, bis nichts mehr übrig ist. Und selbst wenn es gute Momente gibt, die ich genieße, die mir Lust bereiten (nein, nix sexuelles), werden diese sofort relativiert und gegen mich verwendet. Dass ich Schokolade und Rotwein konsumiere, die ja eigentlich fürs Seelchen gut sein sollen, aber nur sehr kurzfristig helfen, zeigt, wie sehr mich der böse Zwilling im Griff hat. 

Was mir jetzt noch bleibt ist, mir einen guten Gedanken, ein gutes Gefühl wahrzunehmen und mir daraus meinen ganz eigenen Patronus zu gestalten, der mich davor bewahrt, den Kuss des Dementoren ertragen zu müssen. 

Wenn der Boggart schon ein Spiegelbild meiner selbst ist, wird der Patronus eine ganz starke Version meiner selbst sein müssen. Ich kann auf diesem Weg einfach nur weitergehen und die Veränderung geschehen lassen.

Für alle, die sich auf diesen Weg gemacht haben: WEITER GEHEN, DENN ES GEHT WEITER!! 

 

 

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Über terebinthe

Theologin, Stephen-King-Leserin, Fashionaddict, Nagellack, Brille

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  1. Liebe Simone, sehr ehrlich! Bewegt mich. Frohe Ostern, Sabine

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