RSS-Feed

Lass den Himmel fallen…

Veröffentlicht am

Hier an dieser Stelle mal wieder ein kleiner Filmspoiler.. Wer den nigelnagelneuen James Bond noch nicht gesehen hat, bitte nicht weiterlesen.

Der neue/alte Bond, ein Sequel zum Prequel, die nacherzählte Vorgeschichte, so ganz genau lässt sich der Film erst am Ende einordnen. Hier lernen wir dann – endlich?- die berühmte Miss Moneypenny kennen und auch der M, der uns durch die vergangenen 20 Filme begleitet hat, nimmt seinen Posten als Chef des MI6 endlich ein.

Das heisst aber jetzt auch Abschied nehmen, Abschied von einer mehr als wunderbaren Judi Dench als M, die eines der vielen Beispiele der englischen (Film-) Geschichte ist, dass Frauen einen verdammt guten Job in höheren Positionen machen können müssen. Und die die Power-Frauen in den Bond-Filmen als Grande Dame ergänzt hat. Abschied nehme ich persönlich auch inzwischen von dem früher so gepflegten Bild des grössenwahnsinnig-psychopathischen Gegenspielers von Bond, dem kein Projekt zu wahnwitzig erscheint, als dass es nicht verwirklicht werden könnte und der immer geprägt war von ganz bestimmten Merkmalen oder Spleens.

Es sind, gerade in den neuen Filmen mit Daniel Craig und tw. auch schon angedeutet in den Filmen aus den Neunzigern, Menschen, denen man den Wahnsinn erst mal nicht anmerkt, was sie aber nicht weniger gefährlich macht.

Im neuen Film interessanterweise ein ehemaliger MI6 Agent, der im Rahmen einer Mission wohl „geopfert“ wurde, als vermisst galt und für tot gehalten wurde. Und hier dürft ihr mich gerne schelten, aber ich hatte in dem Moment das Gefühl bei einer neuen Version des Harry-Potter-Themas gelandet zu sein. Es sind eben doch die Entscheidungen, die Menschen treffen, die sie zu dem machen, was sie sind. Ebenso hätte der Agent auch entscheiden können, sich nicht an M zu rächen, aber Ta-Da, er entwickelt sich zu einem Computergenie und versetzt durch seine Fähigkeiten alle Beteiligten in Angst und Schrecken, nicht einmal ein cleveres Ablenkungsmanöver kann ihn von seinen Racheplänen abbringen.

Was noch meiner Harry-Potter-Theorie entspricht, ist die Tatsache, dass sowohl James Bond als auch der Bösewicht laut M „aus den Schatten kommen“ also keine Familie haben, Waisen sind, ohne sozialen Background, der in ihrer Position nur belastend wäre.

Und doch schafft es Regisseur Mendes den grossartigen Schauspieler Javier Bardem in einer Rolle brillieren zu lassen, die an die guten alten Bösewichter aus den Bondfilmen heranreicht, ein homoerotisch angehauchter selbstgefälliger und gegen Ende total durchgeknallter Silva mit einem mehr als ausgeprägten Ödipus-Komplex M gegenüber, der er in einer dramatischen Szene „anbietet“, dass sie beide erlösen könne, wenn sie sich und ihn erschiesst. Ihm gegenüber steht Bond als der loyale, kämpferische einsame Held, der sich trotz des gleichen Schicksals nicht abwendet, sondern für die gerechte Sache einsteht und zu M, die ihn einsatzfähig gemacht hat, obwohl er es nicht war.

Ach ja, was sich noch verändert zu haben scheint ist die so amüsante Gewohnheit von Bond, so ziemlich alles was weiblich ist und nicht bei 3 auf dem Baum ist, flachzulegen. Schade eigentlich…..

Was am neuesten Bond noch auffällig ist, bzw. mir aufgefallen ist: Mendes spielt mit Farben, ganze Szenen sind in Schattierungen einer Farbe gehalten, wenn eine Kontrastfarbe verwendet wird, ist sie leicht verwaschen, nie grell. Ausser in den Explosionsszenen, die dann dominiert werden vom Farbenspiel der Flammen, das vor dem dunklen Hintergrund nur noch leuchtender erscheint. Ein wahrer Augenschmaus. Und auf die Ohren gibts auch was gutes, einen wieder einmal wunderschönen Titelsong von Adele, einfach nur grossartig.

Wer wie ich und viele andere die James Bond Filme kennt und liebt hat sicherlich die netten Anspielungen auf seine Vorgängerfilme verstanden, das Auto oder auchden Gag mit den explodierenden Stiften. Schön, dass das „Erbe“ von Connery, Moore und Brosnan weitergeführt wird und dank der Technik im 21. Jahrhundert angekommen ist.

Alles in allem ein sehr gelungener Film und ein schöner Abend, der leider dadurch getrübt wurde, dass das Kino es seinen Besuchern zumutet, in der Spätvorstellung noch über eine halbe Stunde lang Trailer und Werbung sehen zu müssen. Prinzipiell nix dagegen, aber wenn die Vorstellung um 23h anfängt und der Film 2,24h dauert, MUSS  es nicht so lange Werbung davor sein!!

 

Advertisements

Über terebinthe

Theologin, Stephen-King-Leserin, Fashionaddict, Nagellack, Brille

»

  1. Mir hat der Film auch sehr gefallen, aber ums schöne alte Auto tat’s mir leid… Wie kann man nur!
    Ist euch die „schwebende“ Handtasche aufgefallen? Als M das erste Mal zu ihrem Nachfolger zitiert wird, steht sie ohne Handtasche auf und verlässt in der nächsten Szene jedoch mit Handtasche den Raum… Vll hat Q ja unten Düsen eingebaut 😉

    Antwort
  2. Ich fand den Film auch klasse. Habe ihn mir in der OV angesehen und über Bonds äh Craigs britischem Humor gelächelt. Obwohl ich nach anfänglichen Zögern Craig als neuen Bond akzeptiere und schätze (er sieht ja auch nicht schlecht aus!!), werde ich wohl mein Leben lang Roger Moore, den Bond meiner Jugend, treu bleiben.
    Sabine von sl4lifestyle.wordpress.com

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: