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Eigentlich wollte ich dazu nichts sagen, ABER…..

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So, jetzt muss will ich auch mal in meiner Eigenschaft als Theologin was kommentieren, bzw. durch meine Brille betrachten.

Gestern abend, ARD, „Hart, aber fair“. (Wobei ich hier das „hart“ betonen würde, weil in der Diskussion wenig „fair“ vorkam….) Da sitzen beim Herrn Plasberg 5 Menschen, die über das – meiner Meinung nach schon ungeschickt formulierte – Thema „Oh Gott, der Papst kommt“ diskutieren sollen. Zugegeben, ich hab nicht die ganze Sendung gesehen, ca. die letzte halbe Stunde, und das hat mir schon gereicht, um mich aufzuregen.

Interessant war für mich die Auswahl der DiskutantInnen, Bruder Paulus, der Kapuzinermönch, der auch schon in Würzburg gewirkt hat und eh schon medial bekannt ist, eine Anhängerin der Generation Benedikt, Wolfgang Niedecken von BAP, Jürgen Domian, LatenightTalker und Michael Schmidt-Salomon, ein Philosoph. Nun ja, könnte ja an sich interessant werden, aber eben nur könnte. Es wurden – meiner bescheidenen Meinung nach – wieder nur die gleichen Allgemeinplätze ausgetauscht: beispielsweise wurde den Vertretern des Christentums unterstellt, man würde den Menschen immer noch als Krone der Schöpfung betrachten (wohl der irrigen Meinung folgend, dass durch die Tatsache, dass der Mensch laut der Genesis als letztes geschaffen wurde, und den Auftrag des Sich-Untertan-Machens erhalten habe. Sorry, aber da hängt jemand echt einer veralteten Sichtweise an und hat nix verstanden.) Gut, es kann sein, dass ich hier aus einer anderen Position heraus argumentiere, aber es hat für mich nur eine Seminarsitzung (d. h. 90 Minuten) an der Uni gebraucht, um zu verstehen, dass der Mensch die Erde als Lebensraum verwalten, gestalten und vor allem erhalten soll. Die Schöpfung nach dem Bild des Schöpfers soll diese Verantwortlichkeit und das Vertrauen verdeutlichen, keine Menschen, die wie Gott sind. Tut mir leid, aber da hätt man sich vorher einfach schlau machen können, nicht umsonst müssen wir Theologen Philosophie studieren, wär doch mal was, wenn das umgekehrt auch so wäre…..

Worüber ich mich allerdings noch mehr aufgeregt habe, nicht nur aufgrund der inhaltlichen Schwächen, sondern vor allem wegen der Nicht-Reaktion der Christen in der Runde, war die Tatsache, dass wiederholt von dem Kirchenaustritt gesprochen wurde, der in den Augen der Austretenden und der aussenstehenden Beobachter als ein Statement gegen die Kirche als Institution und den Papst als Vorsteher ebenjener gesehen wird.

Auch hier muss ich wiederum sagen, tut mir leid, dem ist nicht so. Ich weiss, dass nicht jeder Theologie studiert hat oder/und sich im Kirchenrecht auskennt, aber was unter Kirchenaustritt verstanden wird, ist ein rein formaler zivilrechtlicher Akt. Es bezieht sich alleine auf die Tatsache, dass der Austretende dann keine Kirchensteuer mehr zahlen muss (ohne unterstellen zu wollen scheint das ein tragendes Argument zu sein), keine Pflicht zum konfessionellen Religionsunterricht in der Schule besteht etc. Nun ja, wie gesagt, nicht jeder hat Theologie studiert und da selbst unter denen, die studiert haben, darüber keine Eindeutigkeit besteht, wie der Beschluss der Deutschen Bischofs-Konferenz nahelegt, wird das noch öfter Thema sein. Den Interessierten sei geraten, hier die Online-Version des CIC zu konsultieren, im besonderen den Canon 204, §1 (Diese Art der Zugehörigkeit kann man nicht verlieren!)

Gut, jetzt hab ich mich – denke ich – erstmal genug verbal darüber aufgeregt, die nächste Aufregersendung folgt ja ganz bestimmt.

Interessant finde ich persönlich allerdings immer noch die Tatsache, dass all das, was ich im Studium gelernt und verstanden habe, im krassen Gegensatz dazu steht, was die Allgemeinheit (medial und nicht-medial) unter „Kirche“ (einem in den ganzen Diskussionen nie definierten/erklärten Begriff) versteht, wie die Rolle des Papstes und die angebliche moralische Einflusskraft gesehen wird.

Aber vielleicht kann ich ja irgendwann meinen Beitrag dazu leisten, dass es zumindest in einem kleinen Teil anders wird.

 

 

 

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Über terebinthe

Theologin, Stephen-King-Leserin, Fashionaddict, Nagellack, Brille

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  1. Die meisten werden eben in einem Alter in die Kirche eingetreten wo sie noch keine große Wahl haben sich in irgendeiner Form dagegen zu wehren. Außer durch wildes zappeln und Geschrei. Also ist der einzige Weg, der Institution „Kirche“, also den sogenannten Vertretern Gottes auf Erden, die kalte Schulter zu zeigen dann wenn man sich endlich von dem Verein lossagen kann. Ich denke, dass für einen Teil sicher der finanzielle Aspekt eine Rolle spielt (auf den Punkt komme ich zurück 😉 ) auf der anderen Seite es aber auch genügend andere gibt, die einfach sagen, dass sie mit der Art von Glauben nichts anfangen können und das auch nicht unterstützen wollen. Ich kenne zumindestens kenne ich niemanden, der aus der Kirche ausgetreten hat und deren Service danach weiter genutzt hat 😉
    Das Monetäre ist dann wieder eine andere Sache. Ich empfinde es auch als Witz, dass ich jährlich doppelt zur Kasse gebeten werden. Zum einen holt sich „die Kirche“ schon das Geld direkt bei meiner Lohnabrechnung ab und kommt dann am Ende des Jahres nochmal auf nichtfreiwilliger-freiwilliger Basis und hätte gern Kirchengeld. Da es ja um mein Geld geht, frage ich mich auch, ob es einen pompösen Overhead braucht (Für den Papst-Besuch sind Zahlen von 30 Millionen Euro genannt worden) oder warum ich bis zu X Kinder eine Pfarrers durchfüttern muss.
    Womit ich schon geschickt den Schwung auf die moralische Schiene geschafft habe. Die weltliche Vertretung der Kirche konterkariert sich selber ja damit dass sie massiv das Zölibat predigt und gleichzeitig ignoriert, dass schon in den Schriften geschrieben steht, dass ein Bischof oder Priester auch „ein guter Familienvater“ sein sollte.
    Und was die „angebliche moralische Einflusskraft“ angeht: Die gibt es wirklich… Ich kenne Leute, die sich aus religiösen Gründen an das „Kein Sex vor der Ehe“ und „Wir schlafen erst in einem Bett wenn wir verheiratet sind“ halten.

    Antwort
    • Gut und schön, klar ist durch die Einführung der Kindstaufe ein nicht-bewußter und „freiwilliger“ Eintritt in diese Glaubensgemeinschaft geschaffen worden. Das resultierte allerdings vor allem in der Tatsache, dass im 4.Jhd. das Christentum zur so genannten „religio licita“ – also eine erlaubte religiöse Gemeinschaft wurde und darauf hin getauft wurde, was das Zeug hielt.
      In den Jahren zuvor war der Eintritt nur nach einer intensiven Vorbereitungszeit und in vollem Bewußtsein dessen, was es bedeutet, Christ zu sein, möglich. Aber das würde hier den Rahmen sprengen, kann ich dir ja mal in ner ruhigen Stunde erklären…
      Was den genutzten bzw. nicht genutzten Service angeht, ist das ne andere Sache, ich kenne beispielsweise Leute, die ausgetreten sind, aber ihr Kind taufen lassen wollen, also den Service beanspruchen wollen. Wie auch immer, das ist jedem selbst überlassen.
      Das mit den angeblich durch unsere Kirchensteuer finanzierten unehelichen Kinder von Priestern angeht, muss ich sagen, dass die Priester ein Gehalt beziehen und sollten sie Kinder haben, das ganz „normale“ Procedere abläuft, wie das auch bei jedem Handwerker, Angestellten etc. auch ist, der für nicht eheliche Kinder Alimente bezahlen muss. Das läuft über das Jugendamt, die Beiträge werden vom Gehalt abgezogen. Was die moralische Einflusskraft angeht, kenne ich auch Christen, die vor der Ehe auch schon so ziemlich alles miteinander hatten, nur eben DAS nicht. Inwieweit das konsequent ist, dazu möchte ich mich hier nicht äussern.
      Danke dir auf jeden Fall für den Kommentar, ich finde es immer gut, dass wir uns austauschen können. Ohne Dialog würden sich die Fronten meiner Meinung nach nur noch mehr erhärten.

      Antwort

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